Ventilschaftdichtungen an einer Mercedes Pagode W113 wechseln                                                                                

Meine Zündkerzen haben Verkrustungen, besonders eine Zündkerze (Zylinder 6). Das ist eine neue Zündkerze nach 200 Kilometer und das Einlassventil von Zylinder 6 nach abnehmen des Zylinderkopfes. Vom Einlassventil Z 6 war die Abdichtung lose auf der Führung.

 

Der Wagen verbraucht über 1 Liter Öl. Zwei Zündkerzen sehen super aus, drei Zündkerzen sind sehr dunkel. Was liegt näher, als verschlissene Ventilschaftdichtungen. Die Kompressionswerte liegen alle über 10 ATÜ. 

Nachdem ich viel über die notwendigen Arbeiten gelesen habe, fehlen mir die Spezialwerkzeuge und neue Dichtungen. In Foren lese ich, dass man die Arbeiten nur von qualifizierten Fachleuten ausführen lassen soll, ich wusste nicht, dass es auch unqualifizierte Fachleute gibt. Die erwähnte Chance auf kapitale Motorschäden als Nichtfachmann reizt mich, wo ich doch von qualifizierten Fachleuten produzierte kapitale Motorschäden, auch in Foren gelesen habe.

Zuerst habe ich die Ventilschaftdichtungen bei MB gekauft (ca. 50,- Euro). Ich weiß natürlich nicht, welche Dichtungen für Einlass und welche für Auslassventile sind, aber das sehe ich dann schon.......Die "Pariser" sind zum Schutz der neuen Dichtlippen an den Ventilschaftdichtungen. Wenn die Ventilfeder mit dem Ventilfederteller  und den Ventilkegelstücken vom Ventilstößel entfernt sind, würden die Nuten im Ventilstößel beim darüber schieben ohne "Pariser", die neuen Dichtungen sofort ruinieren. 

 

Danach habe ich den Druckluftanschluss für die Zündkerzenlöcher hergestellt. Es ist eine alte Zündkerze, das Innenloch ist nach dem Entfernen des Porzellans ca. 15mm im Durchmesser und ca. 1 cm tief. In das 15 mm Kupferrohr (Heizung) pass relativ genau ein 1/4 Zoll Druckluftnippel. Da die jeweiligen Kontaktflächen groß sind, denke ich es reicht weich zu löten. Fertige Druckluftanschlüsse kosten über eBay ca. 25 Euro incl. Versand, lohnt sich also nicht besonders, macht aber Spaß.

Das Ventil Montagewerkzeug ist schon eine größere Nummer. Über eBay werden Universalwerkzeuge ab ca. 30,- Euro incl. Versand angeboten. Bei den günstigen Werkzeugen ist das Gegenlager immer so Fleischhaken. Wo soll man die einhängen? Auf der Ansaugseite wäre der Ansaugkrümmer, aber auf der Zündkabelseite? Hochwertige Werkzeuge gehen schnell in Richtung 100,- Euro. Ich will mich ja nicht selbständig damit machen.....

Also Ventildeckel runter und mal sehen. Ein 1 Zoll Wasserrohr, Hebelarm möglicht Flachstahl senkrecht genutzt und das Gegenlager am Kugelkopf von Kipphebel verankern mittels einem Schlüssellochblech (Stahl) 12 mm Kugelkopfbohrung und 10 mm Langloch. An Ende des Langlochs gesenkt, damit der Kugelkopf schön darin liegt. Die Lösung ist ein optimaler Kraftfluss direkt gegenüber liegend und keine wacklige Angelegenheit.

Von der Ventilseite aus sieht man schön das abgeänderte "Wasserrohr". Das Ventil lässt sich super einfach runter drücken.

Weiterhin ist ein Hackendraht (links) erforderlich, um die Ventilkeile auf der Auslassseite heraus zu fischen. Rechts ist mein angefertigtes Montagewerkzeug für die Ventilschaftdichtungen auf der Einlassseite zu sehen. Ein ca. 10 mm Kunststoff Rundmaterial mit einer 9,3 mm Bohrung (Stößel 9 mm).

 

Also den Motor an der Kurbelwellenschraube (Knarre) auf OT drehen (1 Zylinder) . Druckluftanschluss anbringen und anschließen. Achtung mit 8 Atü ging es nicht. Trotzt eingelegtem Gang und Handbremse bewegt sich der Motor, die Kraft ist zu groß. Mit 5 ATÜ ging es dann so in etwas. Die Knarre an der Kurbelwellenschraube muss festgesetzt werden. Ich musste 2 mal den Druckluftstutzen einkürzen. So schön lang wie das Muster auf eBay geht es nicht, die Einspritzleitungen sind im Weg. Das Schlüsselblech ist jetzt auch an der Kette angeschweißt, die Schrauberei nervte. "Grau ist alle Theorie". 

 

Das Druckstück (links) wird einfach vom Federteller abgenommen, es ist absolut passgenau und lässt sich leicht weg nehmen. Mit dem Ventilmontagewerkzeug wird die Feder herunter gedrückt. Jetzt hatte ich das erste Problem. Das Ventil drückt sich mit Federteller nach unten und die Ventilkeile lösen sich nicht. Mit einer Verlängerung und einer passenden Nuss müssen ein paar harte kurze Hammerschläge auf den Federteller gegeben werden, dann lösen sich die Keile. Auf der Einlassseite kann das dazu führen, dass die Keile aus der Führung springen und alles von selber lose ist.

Wenn man jetzt mit dem Ventilmontagewerkzeug die Feder herunter drückt, steht der Ventilschaft frei und die beiden Ventilkegelstücke (z.B. mit einem Magnet) können weg genommen werden. Auf der Einlassseite kann man die Keile mit den Fingern weg nehmen. Auf der Auslassseite werden die Keile nicht so frei, es ist eine Fummelei mit dem Haken. Nach dem 5. Ventil geht es, etwas zu einer Seite den Heber verkanten und den Keil heraus fummeln.

Jetzt wird das Ventilmontagewerkzeug entfernt (links), der Federteller und beide Ventilfedern (innen und außen) ab genommen. Jetzt sieht man die alte Ventilschaftdichtung (rechts), also die weißen Dichtungen sind für die Einlassventile. 

Mit einem Schraubendreher lassen sich die alten Dichtungen abhebeln. Oberfläche vom Stößel prüfen, "Pariser" überstülpen, einsprühen mit Gleitöl, Dichtung aufsetzen ........

und mit dem Montagewerkzeug aufdrücken, gefühlvoll aber auch sehr fest. "Pariser" wieder entfernen. Festen Sitz der Dichtung von Hand prüfen.

Die neue Ventilschaftabdichtung auf der Auslassseite ist aus Gummi. Der Schaft ist dicker und die neue Dichtung kann  nicht beschädigt werden, also ist auch kein Überstreifschutz notwendig.

Beide Federn und Federteller aufsetzen, mit Ventil Montagewerkzeug die Federn nach unten drücken und die Ventilkegelstücke wieder einsetzen. Genauen Sitz prüfen. Jetzt das Drückstück (rechts) wieder einsetzen. Es ist eine sehr genaue/ enge Passung. Nicht verkanten, lose Drehmöglichkeit prüfen. Es muss ganz leicht drehen, wie vor der Demontage. Kipphebel montieren und Federn wieder einhängen. Nach einiger Übung, waren an Zylinder 6 schon komplett in 30 Min. beide Ventile wieder fertig.

Leider ist ein Problem am 4. Zylinder. Beim Versuch, die Auslassventilabdichtung abzuhebeln, bemerkte ich, dass die Ventilführung lose ist. Ich konnte sie einfach mit der Hand weg nehmen. 

Der Motor läuft gut. Ich habe nur ein Problem mit Öl im Brennraum. An Zylinder 6 war die Ventilschaftabdeckung lose, der Zylinder mit der schlimmen Zündkerze. Jetzt den Kopf abbauen mit allen Nebenarbeiten, nur wegen einer Ventilführung, möchte ich nur wenn es gar nicht anders geht. Das Fachleute von meinem Vorhaben abraten ist ja auch nicht verwunderlich. Die machen das seit 50 Jahren schon immer nicht so und leben ja schließlich auch von hohem Aufwand. Abbauen kann ich den Zylinderkopf immer noch und in eine Spezialwerkstatt geben............ 

Sehr schön ist das große Drucklager rechts zu sehen, dass im Betrieb für eine permanente Drehung der Ventile sorgt.

Ich habe erst einmal im Internet recherchiert. Bei SLS gibt es zwei Übergrößen. Meine ist noch original 15.00 mm. Es gibt Übergrößen in 15.20 und 15.40. Aber es muss immer der Kopf abgebaut werden. Ich habe von Versuchen im eingebauten Zustand gelesen, aber alle gingen schief. Allerdings hörten sich die Versuche nicht sehr professionell an. Es war von rein schlagen und Holz zum Schutz die Rede, so wird es aber auch nicht gehen. Eigentlich muss ich nur auf der Drehbank die Passung rändeln und ein Übermaß auf 15.20 herstellen. Dann mit einer stabilen Konstruktion sehr genau einpressen, auf keinen Fall einschlagen. Und nur mittig rändeln, damit genug Führung vorhanden ist und die Gefahr, dass sich die Hülse dann verkantet geringer ist.

 

Also habe ich die Ventilführung auf der Drehbank nur mittig auf 15.20 gerändelt. Leider war die Führung danach nicht mehr innen 11.00 (vom 4 Backen Futter) und ließ sich nicht mehr über den Ventilschaft schieben. Also es geht erst einmal nicht weiter. Ich habe eine Übermaß Ventilführung bestellt und eine verstellbare Reibahle. Ich bin noch unsicher ob ich die alte oder die neue Führung nehme. Ich habe nur einen Versuch. Nach dem Einpressen wird im Normalfall die Führung auf Sollmaß aufgerieben. Das geht im eingebauten Zustand nicht, denn das Ventil ist im Weg und die Späne würden in den Brennraum fallen. Also muss ich vorher auf Übermaß reiben.

Es wurde eine Presse, die sich in Bohrungen von zwei Zylinderschrauben abstützt mit stabilen Abstandsrohren. Man sieht unter der zentralen Pressschraube den Pressdorn aus Messing. Die Ventilhülse ist darin geführt, oben reduziert, damit der Dorn senkrecht an der Nockenwelle vorbei passt. Alles extrem stabil, sonst wären die Chancen noch geringer.

Ich hatte ja nur eine Chance, das war zu wenig. Es hat nicht funktioniert. Den Zylinder konnte ich nur auf ca. 100 Grad erhitzen, das war für die Übergröße 1 zu wenig. Die Ventilführung ging nicht weit genug rein. Ich hätte die alte Hülse nehmen sollen, egal......ohne den Versuch hätte der Zylinderkopf auch herunter gemusst.

Das dauert jetzt.............ich beende das Thema Ventilschaftabdichtungen. Den Zylinderkopf abbauen ist eine neue Überschrift wert.

 

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