Ventilschaft Dichtungen an einer Mercedes Pagode W113 wechseln                                                                              

Meine Pagode verbraucht zu viel Öl. Beim starken Beschleunigen qualmt es auch. Was liegt näher, als verbrauchte Ventilschaft Dichtungen. Benötigt werden dafür Spezialwerkzeuge und neue Dichtungen. 

 

Die Ventilschaftdichtungen von MB sollen nicht so gut sein, liest und hört man. Links ist eine ausgebaute Dichtung von MB, aus braunem Hartgummi. Daneben eine neue Dichtung aus (Teflon) Kunststoff. So waren früher die Dichtungen von MB auch. Die Teflon Dichtungen haben unten und oben eine Ringfeder zur Abdichtung, die heutigen braunen von MB nur noch unten. Rechts im Bild sind die "Schutzkappen", damit die Dichtungen nicht schon beim Einbau von der Nut im Ventilschaft beschädigt werden. Halb abschneiden ist ratsam.

 

Einen Druckluftanschluss kann man aus einer alten Zündkerze herstellen. Fertige Druckluftanschlüsse kosten bei eBay ca. 25 Euro incl. Versand, lohnt sich also nicht besonders, macht aber Spaß. Es wird weiter ein Werkzeug zum herunter drücken der neuen Dichtungen auf die Ventilschaftführung benötigt. In Anleitungen liest man immer vorsichtig runter schlagen. Ich habe ein Stück Kunststoff mit 10 mm (Einlass) und 11 mm (Auslass) gebohrt, um damit ich die Dichtungen runter zu hebeln kann, nicht schlagen muss.

  

Das Ventil Montagewerkzeug ist schon eine größere Nummer. Über eBay werden Universalwerkzeuge ab ca. 30,- Euro incl. Versand angeboten. Leider nur für abgebaute Zylinderköpfe. Mit der Nockenwelle im Weg funktionieren die Dinger nicht. Hochwertige Werkzeuge gehen schnell über 100,- Euro. Ich will mich ja nicht selbständig damit machen.....  Es geht auch ein 1 Zoll Wasserrohr mit einem Arbeitsfenster, als Hebelarm möglichst ein Flachstahl senkrecht genutzt und das Gegenlager an einer Winkelschiene auf die Montagebrücke (Ventildeckel).

 

Auf der Zeichnung sieht man die Montagestelle. Die Kipphebel (4 Schwinghebel) müssen demontiert werden. Ein Problem sind die (roten) Keile (8 Ventilkegelhälften). Sie sind konisch, passen genau und wollen eigentlich gar nicht raus. In der Pos 12 sind die besagten Ventilschaftdichtungen (gelb), die gewechselt werden sollen.

 

Wenn es um die Zündkerze wie im linken Bild ölig ist, liegt das nicht an undichten Zündkerzen, sondern das Kugelbolzen Unterteil ist von Motor Instandsetzer nicht richtig abgedichtet worden. Das Öl kommt aus dem Ventilraum und tropft auf die Zündkerze. Gute Gelegenheit sie abzudichten. Entweder mit Langnuss ausbauen, oder zuerst Kugel aus dem Unterteil schrauben.

  

Die Kipphebel gehen nicht einfach runter. Zur Nockenwelle ist zu wenig Spiel, die Ventile mit den Federn müssen dafür etwas runter gedrückt werden. Ich habe mein Werkzeug hinten offen angefertigt, sonst benötigt man dafür ein zweites Werkzeug, wenn der Niederdrücker hinten geschlossen ist. Dann den Motor an der Kurbelwellen Schraube (Knarre) auf OT des betreffenden Zylinders drehen. Muss man nicht, mach ich aber. Wenn die Druckluft ausfällt, könnten sonst die Ventile in den Zylinder fallen. Dann müsste der Zylinderkopf ab. Das ist ein Unfall gefährlicher Zeitpunkt, denn wenn Druckluft auf die Zylinder kommt, damit die Ventile oben bleiben für die Montage, kann der Motor "durchdrehen".

  

Damit das nicht passiert, muss der Motor gegen drehen gesichert werden. Das geht z.B. mit einem Hebel im Nockenwellenrad. Oder die Handbremse anziehen und Gang einlegen. Druckluftanschluss ein schrauben und Druckluft (ca. 6 ATÜ) anschließen.

          

Trotzdem ist später etwas passiert. Der Motor ist mit der angeschlossenen Druckluft "umgeschlagen". Verletzt habe ich mich nicht, aber der Hebel im Nockenwellen Rad war nicht im rechten Winkel eingesteckt, durch den Druckschlag ist das Rad gebrochen. Ein neues Markenritzel von Febi hat im Netz neu ca. 20 Euro incl. Versand gekostet. Alt/ neu nebeneinander im Vergleich fällt auf, wie das 55 Jahre alte Ritzel verschlissen ist. Verschlissene Ritzel haben spitz zulaufende Zähne. Die Kette rollt die Zähne im laufe der Jahre spitz, es ist wie bei Motorrädern. Bei einer Motorüberholung wird immer eine neu Kette eingebaut, die Ritzel wohl nicht.

In einer Werkstatt passieren auch Fehler, wer bezahlt es wenn nicht der Kunde. Der Kunde hat ja sogar noch Glück gehabt, dass der Werkstatt der Haarriss aufgefallen ist..... und bekommt für 20 Euro bestimmt kein neues Ritzel.

    

Im linken Bild sind beide Ritzel transparent über einander gelegt. Schön zu sehen, wie sich die halb runde Vertiefung aus walzt zu den spitzen Zähnen. Vermutlich ist der Verschleiß für die Steuerung nicht vorteilhaft. Die Auswechselung ist keine große Sache. Bolzen aus dem Ritzel der Nockenwelle schrauben, Ritzel mit dem Schraubendreher etwas ab hebeln, Keil auf der Nockenwelle suchen, mit einem Kabelbinder in der Kette den Zahn markieren, den Zahn am neuen Rad anzeichnen, Gleitschiene für die Kette oben abschrauben, Kettenspanner Hutmutter abschrauben, Ketten Rad abnehmen, gegen neues Kettenrad tauschen, alles wieder anschrauben.....

Eins ist ganz wichtig, langsam mit Bedacht und Vorsicht arbeiten, nichts fallen lassen, alles was in den offenen Kettenkasten fällt landet im Motor, manchmal hilft da nur Motor zerlegen...

  

Wenn man jetzt den Ventilfederteller runter drücken würde, passiert nichts. Die Keile sitzen so fest, die müssen zuerst mit einem kräftigen Schlag (Verlängerung mit passender Nuss) gelöst werden. An Klang hört man ob die Keile sich gelöst haben. Wenn man jetzt mit dem Ventilmontagewerkzeug die Feder herunter drückt, steht der Ventilschaft frei und die beiden Ventilkegelstücke (z.B. mit einem Magnet) können weg genommen werden. Auf der Einlassseite kann man die Keile mit den Fingern weg nehmen. Auf der Auslassseite werden die Keile nicht so frei, es ist eine Fummelei mit sehr kleinem Schraubendreher. 

  

Jetzt werden beide Keile entfernt und der Federteller und die Federn abgenommen. Dann sieht man die alte Ventilschaftdichtung (rechts), die mit einem Schraubendreher ab gehebelt wird.

Die Ventilschaftführungen haben ab 250 SL eine Rille, damit die Ventilschaftdichtung besser an der Führung hält. Ein Leiden der 230 SL, abgerutschte Dichtungen.  Nachdem die neue Dichtung auf der Auslassseite gefettet und aufgesetzt ist, wird sie mit den Hilfswerkzeug runter in den Sitz gehebelt.

  

Druckluft ab ziehen,  das Ventil etwas runter drücken und den Kipphebel wieder einsetzen. Man sieht, auf einer Seite sind alle problematischen Auslassventile.

   

Auf der Einlass Ventilseite ist es einfacher. Beim Lösungsschlag lösen sich die Keile manchmal schon ohne Niederdrücker und gefummel. Oberfläche vom Stößel prüfen, "Pariser" über stülpen, Vaseline als Gleitmittel, Dichtung aufsetzen ........und mit dem Montagewerkzeug aufdrücken, gefühlvoll aber auch sehr fest. "Pariser" wieder entfernen. Festen Sitz der Dichtung von Hand prüfen.

  

Wenn alle Ventilschaftdichtungen gewechselt, alle Kipphebel und Federn wieder montiert sind.....

 

müssen natürlich die Ventile neu eingestellt werden. Manchmal lässt sich der Ventildeckel schlecht/ gar nicht aufsetzen. Das liegt häufig an einem alten Getriebelager. Dadurch hängt das Getriebe hinten tiefer. Der Motor kippt mit dem Getriebe zusammen nach hinten und es fehlen ein paar Millimeter Platz. Mit einem Gleitblech geht der Deckel vorbei.

Danach habe ich dem Motor gestartet, mit neu eingestellten Ventilen, ein seidenweicher Lauf. Ob es Auswirkungen auf Ölverbrauch und "Rauchwolke" hat, muss sich noch erst zeigen.

Stellt sich noch die Frage nach den Kosten.

Ich habe ca. 7 Stunden benötigt (Gasgestänge demontieren/ montieren, Zündkabel/ Zündkerzen demontieren/ montieren, Ventildeckel demontieren/ montieren, Kipphebel/ Ventilfedern demontieren/ montieren, Ventilschaftdichtungen wechseln, Ventile einstellen, Gasgestänge einstellen).

Laut meiner Internet Recherche könnte das bei einer Pagode bis zu 1500 Euro kosten, nur die Schaftdichtungen wechseln, ohne ggf. Folgekosten (z. Kettenräder, Kette, Zylinderkopfdichtung, lose Ventilschaftführungen, defekte Nockenwelle, usw. Es hängt von der Arbeitsausführung ab. Man kann die Schaftdichtungen bei einem eingebauten und ausgebauten Zylinderkopf wechseln.

Immer wieder Öl nach kippen und qualmen lassen ist billiger.