Bei schlechtem Warmstart liest man immer
wieder, die Druckventile am Ausgang der ESP müssen neu geläppt werden.
Unter läppen kann man sich vom Wort her ja nichts vorstellen. Was sagt
das Internet zu läppen?
Läppen ist Spanen mit losem, in einer Paste oder Flüssigkeit verteiltem Korn, dem Läppgemisch, das auf einem meist formübertragenden Gegenstück bei möglichst ungeordneten Schneidbahnen der einzelnen Körner geführt wird.
Man könnte
auch einfach sagen: einschleifen
Der Warmstart einer 230 ger und
frühen 250 ger Pagode wird durch ein zusätzliches Rundrelais
unterstützt. Die Notwendigkeit für ein zusätzliches Rundrelais ist
durch die nicht sehr druckdichten Kegeldruckventile vorhanden.
Bosch hat daher in der Produktion (späte 250/ 280 ger) auf
Kugeldruckventile umgestellt. Die Kugeldruckventile sind viel
druckdichter, zumindest ca. 10 Jahre lang.
Jetzt zum läppen/ einschleifen, die alte Kegeldruckventile wieder druckdichter machen sollen. Es ist ja so, das nicht alle Kegeldruckventile undicht sind, alle zu läppen, ohne zu wissen ob es besser oder schlechter wird ist nicht zielführend. Die ausgebauten Kegeldruckventile lassen sich nur mit hohem Konstrucktionsaufwand in ein druckfestes Gehäuse einbauen für eine Prüfung außerhalb der ESP.
Zuerst sollte man
daher alle Kegeldruckventile im eingebauten Zustand geprüft
werden. Dafür muss man sich ein Messgerät bauen, dass nicht im
Handel ist. Ein Manometer bis 100 ATÜ, eine dünne Kupferleitung
und entsprechende Anschlüsse. Ich habe dafür eine alte
Einspritzdüse abgeschnitten.

Es macht ja wenig Sinn planlos an den Ventilen rumzuläppen, ohne zu wissen welche Ventile undicht sind und ob sie nach der Behandlung dichter sind. Wo sitzen die Druckventile am Ausgang der ESP? Nach abschrauben der Anschlußverschraubung sieht man das Druckventil in der ESP. Eine Druckprüfung ist aus meiner Sicht unerlässlich. Die Überwurfverschraubungen können nach Jahren sehr fest sitzen. Ohne Krähenfußschlüssel kaum möglich. Der Normaldruck in den Leitungen ist bei 13 bis 16 ATÜ. Aber wenn man die Einspritzleitung am Ende mit einem Manometer verschließt geht der Druck auf über 70 ATÜ hoch.

Jetzt muss der Motor mit 5 Zylindern gestartet werden. Ein paar Sekunden laufen lassen bis sich im Monometer der Druck aufbaut. Motor abstellen und Manometer beobachten.

Nachdem Motor
abstellen geht der Druck schnell auf 40 ATÜ und dann auf ca. 10
ATÜ runter. Der
Druck von ca. 10 ATÜ sollte mindestens 10 Minuten
gehalten werden. Optimal wären 30 Minuten, das
schaffen die Kegeldruckventile wohl kaum. Wenn der
Druck innerhalb weniger Minuten auf 0 geht, arbeitet
das Druckventil nicht mehr. Die modernen
Kugeldruckventile schaffen das, aber auch nicht 50
Jahre lang. Die Kegeldruckventile lassen sich gegen
Kugeldruckventile austauschen, kostet aber zwischen
1000 und 2500 Euro.
Die Kegeldruckventile sind die alte Ausführung und
Kugeldruckventile die neue Ausführung. So überprüft man
alle Druckventile der Reihe nach. Das alles ist sehr
aufwendig, da die starren Leitungen die Arbeit
erschweren.

Nachdem
man ein oder mehrere
Kegeldruckventile
identifiziert hat, geh es an
den Ausbau. Das
Druckventil ist in die ESP nur eingesteckt und wird mit
einer Gewindehülse 14X1 mm gezogen. Auch wenn in Foren
steht, bei dem Ausbau könnte die Einstellung der Pumpe
verändert werden, es stimmt nicht. Auch im WHB von MB
ist der Wechsel als problemlos beschrieben. Die
Einspritzleitung muss an der ESP
Verschraubung abgeschraubt werden. Das ist
nicht immer einfach. Das kann so fest sitzen
dass eine halbe Stunde bei einer Mutter
drauf geht. Hier sollte man über einen
"Krähenfuß" Maulschlüssel (17) verfügen, zu
mindestens über einen geschlitzten
Rohrleitungsringschlüssel. Der Platz zur
Montage ist an der Stelle sehr gering. Die
Verbindungslaschen der Einspritzleitungen
müssen auch entfernt werden.
So
sieht es unter dem gezogenen Druckventil aus.
Hier die kleinen Dichtflächen im
Kegldruckventil.
Jetzt geht es aber wirklich ans läppen/ einschleifen.
Geläppt muss oszillierend
gemacht werden, das heißt nicht immer in einer Richtung
gedreht, sondern ein paar mal links und danach ein paar mal
rechts herum. Also geht eine Akkubohrmaschine nicht direkt,
sondern nur mit einem Vorsatz. Den Vorsatz gibt es auch China
für 13 Euro, oder bei einem sehr bekannten Händler für
englische Oldtimer für ca. 90 Euro. Würde mich nicht wundern,
wenn beide aus China kommen.

Dann bohrt man auf den Drehbank mittig ein 5,5 mm großes Loch in den Fuß. 5,5 ist in etwa das Maß um den 6 mm Zapfen vom Kegeldruckventil anzutreiben. In Gummi mittig bohren ist anders schwer. Alles zusammen gesteckt und der "Schleifapparat" ist fertig.

Man benötigt noch Ventilschleifpaste. Viele Anbieter, viele
unterschiedliche Preise. Der Anbieter unten hat seine Dose in
der Mitte geteilt. Eine Seite grobe Paste und eine Seite feine
Paste. Für zwei Schleifdurchgänge. Die Paste klebt am Ventil und
muss nur die sehr schmalen Dichtflächen bedecken.
Nach dem läppen, Ventil
reinigen, einbauen, wieder Druckprüfung und ggf. das nächste
Ventil bearbeiten.