Mercedes Pagode W113 Kegeldruckventile läppen                                                                           

Bei schlechtem Warmstart liest man immer wieder, die Druckventile am Ausgang der ESP müssen neu geläppt werden. Unter läppen kann man sich vom Wort her ja nichts vorstellen. Was sagt das Internet zu läppen?

Läppen ist Spanen mit losem, in einer Paste oder Flüssigkeit verteiltem Korn, dem Läppgemisch, das auf einem meist formübertragenden Gegenstück bei möglichst ungeordneten Schneidbahnen der einzelnen Körner geführt wird.

Man könnte auch einfach sagen: einschleifen

Der Warmstart einer 230 ger und frühen 250 ger Pagode wird durch ein zusätzliches Rundrelais unterstützt. Die Notwendigkeit für ein zusätzliches Rundrelais ist durch die nicht sehr druckdichten Kegeldruckventile vorhanden. Bosch hat daher in der Produktion (späte 250/ 280 ger) auf Kugeldruckventile umgestellt. Die Kugeldruckventile sind viel druckdichter, zumindest ca. 10 Jahre lang.

Jetzt zum läppen/ einschleifen, die alte Kegeldruckventile wieder druckdichter machen sollen. Es ist ja so, das nicht alle Kegeldruckventile undicht sind, alle zu läppen, ohne zu wissen ob es besser oder schlechter wird ist nicht zielführend. Die ausgebauten Kegeldruckventile lassen sich nur mit hohem Konstrucktionsaufwand in ein druckfestes Gehäuse einbauen für eine Prüfung außerhalb der ESP.

Zuerst sollte man daher alle Kegeldruckventile im eingebauten Zustand geprüft werden. Dafür muss man sich ein Messgerät bauen, dass nicht im Handel ist. Ein Manometer bis 100 ATÜ, eine dünne Kupferleitung und entsprechende Anschlüsse. Ich habe dafür eine alte Einspritzdüse abgeschnitten.


 

Es macht ja wenig Sinn planlos an den Ventilen rumzuläppen, ohne zu wissen welche Ventile undicht sind und ob sie nach der Behandlung dichter sind. Wo sitzen die Druckventile am Ausgang der ESP? Nach abschrauben der Anschlußverschraubung sieht man das Druckventil in der ESP. Eine Druckprüfung ist aus meiner Sicht unerlässlich. Die Überwurfverschraubungen können nach Jahren sehr fest sitzen. Ohne Krähenfußschlüssel kaum möglich. Der Normaldruck in den Leitungen ist bei 13 bis 16 ATÜ. Aber wenn man die Einspritzleitung am Ende mit einem Manometer verschließt geht der Druck auf über 70 ATÜ hoch.

  

Jetzt muss der Motor mit 5 Zylindern gestartet werden. Ein paar Sekunden laufen lassen bis sich im Monometer der Druck aufbaut. Motor abstellen und Manometer beobachten.

 

Nachdem Motor abstellen geht der Druck schnell auf 40 ATÜ und dann auf ca. 10 ATÜ runter. Der Druck von ca. 10 ATÜ sollte mindestens 10 Minuten gehalten werden. Optimal wären 30 Minuten, das schaffen die Kegeldruckventile wohl kaum. Wenn der Druck innerhalb weniger Minuten auf 0 geht, arbeitet das Druckventil nicht mehr. Die modernen Kugeldruckventile schaffen das, aber auch nicht 50 Jahre lang. Die Kegeldruckventile lassen sich gegen Kugeldruckventile austauschen, kostet aber zwischen 1000 und 2500 Euro. Die Kegeldruckventile sind die alte Ausführung und Kugeldruckventile die neue Ausführung. So überprüft man alle Druckventile der Reihe nach. Das alles ist sehr aufwendig, da die starren Leitungen die Arbeit erschweren.


Nachdem man ein oder mehrere Kegeldruckventile identifiziert hat, geh es an den Ausbau. Das Druckventil ist in die ESP nur eingesteckt und wird mit einer Gewindehülse 14X1 mm gezogen. Auch wenn in Foren steht, bei dem Ausbau könnte die Einstellung der Pumpe verändert werden, es stimmt nicht. Auch im WHB von MB ist der Wechsel als problemlos beschrieben. Die Einspritzleitung muss an der ESP Verschraubung abgeschraubt werden. Das ist nicht immer einfach. Das kann so fest sitzen dass eine halbe Stunde bei einer Mutter drauf geht. Hier sollte man über einen "Krähenfuß" Maulschlüssel (17) verfügen, zu mindestens über einen geschlitzten Rohrleitungsringschlüssel. Der Platz zur Montage ist an der Stelle sehr gering. Die Verbindungslaschen der Einspritzleitungen müssen auch entfernt werden.

  

So sieht es unter dem gezogenen Druckventil aus.

               

Hier jetzt das ausgebaute Kegldruckventil.


 
Hier die kleinen Dichtflächen im Kegldruckventil.

Jetzt geht es aber wirklich ans läppen/ einschleifen.

Geläppt muss oszillierend gemacht werden, das heißt nicht immer in einer Richtung gedreht, sondern ein paar mal links und danach ein paar mal rechts herum. Also geht eine Akkubohrmaschine nicht direkt, sondern nur mit einem Vorsatz. Den Vorsatz gibt es auch China für 13 Euro, oder bei einem sehr bekannten Händler für englische Oldtimer für ca. 90 Euro. Würde mich nicht wundern, wenn beide aus China kommen.

  

Das Vorsatzgerät ist für Auto Motorventile. Dafür sind die Gummisauger, um den Ventilfuß anzutreiben. Man nimmt den kleinsten Fuß und entfernt den Rand.

   

Dann bohrt man auf den Drehbank mittig ein 5,5 mm großes Loch in den Fuß. 5,5 ist in etwa das Maß um den 6 mm Zapfen vom Kegeldruckventil anzutreiben. In Gummi mittig bohren ist anders schwer. Alles zusammen gesteckt und der "Schleifapparat" ist fertig.


Man benötigt noch Ventilschleifpaste. Viele Anbieter, viele unterschiedliche Preise. Der Anbieter unten hat seine Dose in der Mitte geteilt. Eine Seite grobe Paste und eine Seite feine Paste. Für zwei Schleifdurchgänge. Die Paste klebt am Ventil und muss nur die sehr schmalen Dichtflächen bedecken.


    

Nach dem läppen, Ventil reinigen, einbauen, wieder Druckprüfung und ggf. das nächste Ventil bearbeiten.

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